Vorsicht : SATIRE !


Bildungs-Chipkarte auch für Ernst und Sarrazin

Vorbildliche Initiative: Die Bildungs-Chipkarte soll auf notleidende Politiker ausgeweitet werden.

Thilo Sarrazin rettet wieder mal das LandFoto: picture alliance/dpa Aufklärer Sarrazin: "Bistro mit J? Das darf nie wieder auf deutschem Boden geschehen!"
Von Jan Frehse

 

Deutschland ist eine Neidgesellschaft. Neid herrscht sogar in den Familien, denn Hartz-IV-Eltern missgönnen ihren Sprösslingen die Staatsknete und kaufen sich lieber Fusel davon. Davor soll die Bildungskarte Frau von der Leyens schützen. Die Kinder bekommen endlich, was ihnen wirklich bekommt: Geistige Genüsse statt geistiger Getränke (für die Alten).

 

Aber nicht nur Hartz-IV-Kinder leiden unter dem allgegenwärtigen Neid, nein, auch Politiker trifft es immer wieder massiv. Für die gibt es deshalb jetzt schon die "Prepaid-Parteien-Power-Card", ab Bundestagsmandat in der Platin-Version, intern liebevoll "Plünder-Plastik" genannt.

Mit der können sich Politiker endlich das leisten, was ihnen der deutsche Michel stets und ständig missgönnt. Klaus Ernst schrieb sich sogleich an einem Kurs für Rechenschwache an der heimischen Volkshochschule ein, inklusive Kalkulieren mit Karteileichen. Guido Westerwelle buchte mehrere Sprachreisen in frankophone Gebiete, um seine Englisch-Unkenntnisse zu verbessern.

 

Angela Merkel, der die Gefolgsleute abhanden kommen, lernt an einer Berliner Sportschule bereits fleißig das Kickboxen, denn sie will demnächst christdemokratische Parteilehrjahre abhalten unter der Devise "Zurücktreten? Ja, aber nur mit Tritten unter die Gürtellinie!"

Vergleichsweise sparsam ging Thilo Sarrazin bisher mit seinem Guthaben um. Er ließ sich nach einem Geschichtskurs lediglich beim Patentamt den Titel eines Ministers für Volksaufklärung und Propaganda schützen.

 

 

Rente – immer mehr Politiker gegen Tod mit 67

Bei der Diskussion um den endgültigen Ruhestand zeichnet sich ein Konsens ab.

FDP für veränderte LebenslaufzeitenFoto: dpa Auch die FDP macht sich inzwischen für veränderte Lebenslaufzeiten stark

 

Wann sollen Deutsche sterben?

 

Vor vier Jahren hatte die Große Koalition den gesetzlich vorgeschriebenen Todeszeitpunkt auf 67 festgelegt. Kein Jahr zu früh, befand die Mehrheit aller Jüngeren, die genervt ist von der Gewalttätigkeit, dem Geruch und dem Musikgeschmack deutscher Greise.

 

Experten rechneten aus, dass die Rentenkasse schon 2015 komplett saniert wäre, wenn die neue Regelung konsequent angewendet würde. Die Aktien der Hersteller von Giften, Einwegspritzen und Bolzenschussgeräten stiegen. Doch jetzt wird dieser Kompromiss, mit dem alle gut leben und viele gut sterben konnten, plötzlich wieder in Frage gestellt. Den einen kommt der Tod mit 67 zu früh, die anderen finden, dass weniger Lebensjahre sozial gerechter sind.

 

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel sieht in dem Gesetz "einen hinterlistigen Anschlag zur Vernichtung der Sozialdemokratie". Bereits die Wahlniederlage 2009 sei darauf zurückzuführen gewesen, dass der SPD durch das neue Gesetz viele potenzielle Wähler abhanden gekommen seien. Gabriel: "Ende Sechzig kommen ja die meisten Menschen in das Alter, wo sie überlegen, zum ersten Male SPD zu wählen." Bei einer konsequenten Einhaltung der Deadline 67 wären viele sozialdemokratische Ortsvereine von der kompletten Auslöschung bedroht.

 

Gabriels Vorgänger als SPD-Chef, Kurt Beck, plädiert dagegen schon seit Jahren für einen viel früheren Gnadentod – aus Gründen der Menschlichkeit. Ein Ableben erst mit 67 sei einem Dachdecker nicht zuzumuten, denn dieser Beruf sei so anstrengend, gesundheitsschädlich und unfunky, dass bereits Vierzigjährige sich mit Selbstmordgedanken quälen würden. Deshalb dürften nicht alle Berufe gleich behandelt werden. Beck: "Den feinen Pinkeln in den Büros macht es vielleicht nicht so viel aus, ein paar Jahre länger zu leben, aber den körperlich Malochenden muss man einfach erlauben, schon früher die Kelle aus der Hand zu legen."

 


Nutznießer Semino Rossi

 

Überboten wird Beck ausgerechnet von der FDP. Sofort nachdem der 83 Jahre alte Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher sich neulich in der BILD-Zeitung mit unerwünschten Ratschlägen zu Wort gemeldet hatte, forderte Guido Westerwelle die Senkung des gesetzlich festgelegten Sterbedatums auf 60. Er zitierte aus einer neuen Studie der Fachhochschule Altenburg: "Mehr Lebensjahre helfen nur Semino Rossi."

 

Dagegen fordern Wirtschaftsexperten eine drakonische Heraufsetzung des Todeszeitpunkts. Dr. Klaus Witzleben vom Institut für Nekrologie in Tötensen meint, dass Deutschland langfristig nicht um das Sterben mit 70 herumkommen werde. "Die asiatische Konkurrenz ist da wieder mal schon wesentlich weiter – in Japan machen die Behörden sogar unangemeldete Kontrollen bei über Hundertjährigen, um zu prüfen, ob sie nicht heimlich gestorben sind.

 

Tote, die erwischt werden, bestraft man dort mit einer empfindlichem Rentensenkung.“ Der Gerontologe Ilja Rogoff von der Leni-Riefenstahl-Universität in Asbach hält sogar das ewige Leben für unausweichlich: "Wenn wir in Zukunft noch erfolgreich mit Milliardenvölkern wie den Chinesen und Indern konkurrieren wollen, können wir uns Bevölkerungsverluste durch Sterben gar nicht mehr leisten."